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Die Umgebung des Teufelsberges

Das Ökowerk am Teufelssee

Der Bauunternehmer Heinrich Quistorp, der in Berlin die Villenkolonie Westend erbaut hat (sein Onkel baute übrigens im heute polnischen Stettin ebenfalls eine Villenkolonie namens Westend), gab 1871 den Anstoß zur Planung eines Wasserwerks am Teufelssee, um seine neuerbaute Villenkolonie mit Trinkwasser zu versorgen. 1872 eröffnete eben jenes Wasserwerk und war bis 1878, als Quistorp mit seinem Unternehmen in die Insolvenz ging, in Privatbesitz. Danach gelangte es in den Besitz der Charlottenburger und später der Berliner Wasserbetriebe. 1969 wurde es jedoch überflüssig und stillgelegt, es sollte 1974 abgerissen werden, doch dank Bevölkerungsproteste konnte es gerettet und 1981 unter Denkmalschutz gestellt werden. Heute hat hier das Naturschutzzentrum "Ökowerk", welches als Verein direkt dem Land Berlin untersteht, seinen Sitz und betreibt ein Museum. Neben Führungen und Ausstellungen sowie einem Bistro kann man hier wunderbar am Seeufer des Teufelssee (früher reiner FKK-Badebetrieb, heute auch von Textilfreunden bevölkert) entspannen. Das Ökowerk engagiert sich sehr für die Renaturierung und Reprivatisierung des Teufelsberges und hat deshalb schon vor Jahren ein Aktionsbündnis gegründet.


Das Ökowerk am Teufelssee, Winter 2013

Der Selbstmörderfriedhof im Grunewald

Im ausgehenden 19. Jahrhundert durften Selbstmörder nicht auf christlichen Friedhöfen bestattet werden. An der Havel in Höhe Schildhorn wurden seltsamerweise besonders oft Wasserleichen an Land gespült, oft Selbstmörder, die von einer Brücke in die Havel sprangen. Die Forstverwaltung hatte das Problem, das es kaum Orte gab, die oft namenlosen Leichen zu bestatten. Deshalb wurde 1878 unweit der Havel auf einer Waldlichtung eine konfessionsunabhängige Begräbnisstätte angelegt. Das sprach sich unter den Angehörigen von Selbstmördern aus dem ganzen Berliner Stadtgebiet herum, sodass ab 1900 nicht nur Seeleichen hier bestattet wurden. Fortan prägte sich der Begriff "Selbstmörderfriedhof". 1911 wurde dann eine feste Leichenhalle errichtet. Nachdem im Ersten Weltkrieg erstmals nicht nur Selbstmörder, sondern auch Soldaten und Zivilisten hier bestattet wurden, ist 1927 der Friedhof zu einer regulären Begräbnisstätte geworden, die ab dato nicht nur Selbstmördern vorbehalten war. Bekanntestes Grab auf dem Friedhof ist die letzte Ruhestätte von Nico, der Sängerin der 60er-Jahre-Band "The Velvet Underground". Der Senat überlegt derzeit, keine Neubestattungen mehr vorzunehmen und den Friedhof innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu schließen. Ein Besuch an diesem verwunschenen Ort mitten im Wald lohnt alle mal (> mehr Infos).



Foto: Gräber von vier zaristischen Russen, die sich in der Havel anlässlich der Russischen Revolution 1917 aus Verzweiflung das Leben nahmen.


Schildhorn
Der Sage nach erhielt die Landzunge Schildhorn ihren Namen aufgrund des Slawenfürsten Jaczo (Jaxo), der auf der Flucht vor Albrecht dem Bären an dieser Stelle die Havel durchschwamm. Als Dank, dass er lebend das andere Ufer erreichte, hängte er seinen Schild und sein Horn an einem Baum und trat dem Christentum bei -so die Sage. Der Architekt Friedrich August Stüler errichtete 1845 nach Bleistiftskizzen Friedrich Wilhelms IV. von Preußen hier ein Denkmal: Die Jaczosäule. Auf der anderen Havelseite in Gatow steht übrigens der Jaczoturm von 1914, der ebenfalls an die Sage erinnert.
Der Ursprung des Namens Schildhorn geht aber wohl nicht auf diese Sage zurück. Im kleinen „Ausflugsdorf“ Schildhorn entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert mehrere Gebäude für die Besucher aus Berlin. 1865 wurden drei spätklassizistische Wohngebäude errichtet, 1881 folgten ein Wirtshaus (Architekt: C. Jacob) mit Hallen für bis zu 250 Ausflügler im Fachwerkstil. Im Jahr 1894 wurde eine zweite Halle mit Wintergarten im Stil der Neorenaissance gebaut, nach Entwürfen von A. Merker. Heute befindet sich in Schildhorn außerdem ein Tagungshotel der Gewerkschaft GEW (seit 1965), auch eine Filiale der Hühnchen-Fastfoodkette Wienerwald befand sich in den 1970er hier. Nach einigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam es zuletzt 2003 zu einer Zwangsversteigerung des Ausflugslokals.



Siedlung Am Rupenhorn
Oberhalb des Stößensees, poetisch gesprochen "auf der letzten Klippe Berlins" vor Spandau und der Havel, entstand in den 1920er Jahren die Kolonie Rupenhorn. Der Name der Siedlung leitet sich von der unweit der Siedlung gelegenen Landzunge Rupenhorn ab. Diese wiederum ist nach der Aalraupe benannt worden, ein Fisch, der früher im Stößensee gefangen wurde. Ab 1925 wurde dann die Straße 35, die die spätere Siedlung queren sollte, "Am Rupenhorn" genannt. Die ersten Einträge von Anrainern im Berliner Adressbuch gibt es 1927. Auf einer > gesonderten Seite über das Rupenhorn möchten wir die interessanten Häuser und ihre nicht minder interessanten Bewohner der ersten Stunde näher vorstellen.

Das Ostpreußenviertel beiderseits der Heerstraße

Wer vom S-Bahnhof Heerstraße zum Teufelsberg läuft, dem fällt auf, dass die Straße links und rechts der Teufelsseechaussee Namen von Städten tragen, die vertraut klingen, aber die kaum jemand mehr kennt. Das liegt daran, dass die Straßen der Siedlung Heerstraße und der Wohnquartiere hoch bis zur Havel und zum Olympiastadion während ihrer Bauzeit zwischen 1914 und 1936 nach ostpreußischen Orten und Städten benannt wurden, die heute zu Polen oder Russland gehören.  Wir möchten an dieser Stelle etwas über die Geschichte der ostpreußischen "Namenspatronen" der Straßen rings um den Teufelsberg schreiben und kurz umreißen, was der geneigte Ausflügler an interessanten Häusern und Plätzen im Westend finden kann.
Unsere ausführliche Sonderseite über das Ostpreußenviertel finden Sie hier >




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