Geschichte | Führungen | Foto & Film | Presse & Buch | Denkmal | Bergpartnerschaft | Impressum  






Ausstellung und Redaktion: Thomas Kempas, Haus am Waldsee

Mit freundlicher Unterstützung von Jennifer Jakubik konnte dieses Ausstellungsleaflet wieder aus den Archiven des Haus am Waldsee "ans Tageslicht" gebracht werden.

Sind die nebenstehenden Zeilen anno 1974 nicht aktueller denn je in Bezug auf den Berg, gerade im letzten Absatz? Anm.d.Red.
Teufelsberg - Neunzehn Bildhauer reagieren auf eine Berliner Landschaft. Ausstellung im Haus am Waldsee, 1974

Der Ort
Teufelsberg, Trümmerberg am Rande des Grunewalds, vorwiegend aus dem Schutt der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häuser, aufgeschüttet von 1950 —1972. Größte Höhe 115 Meter, Länge ca. 1800 Meter.

Die Veranlassung
Frühjahr 1973. Ein Bildhauer sucht auf dem Teufeleberg einen Plalz zur Bearbeitung eines Steines. Aber allein hier arbeiten? Der Gedanke an ein Symposium liegt nahe. Er interessiert die befreundeten Kollegen der Gruppe Plastik 71. Gemeinsame Bergbegehung. Der weite Blick begeistert aber noch mehr die Form des Berges südlich der Radarstation. Der Berg ist plastisch, er fordert heraus und gibt den Anstoß auf ihn mit einer plastischen Gesamtkonzeption zu antworten.

Die Konzeption
Der sich sanft krümmende Berg wird durch eine schnurgerade Linie, ein straffes Band, in seiner Länge durchschnitten. Die Bewegung des Berges wird an dieser Linie wie an einer Maßkante deutlich. Die Gespanntheit des Bandes wird bestimmt durch die horizontale Bewegung des Termins. Das Band hat eine kontrapunktische Beziehung zum Berg. Man wIrd auf ihm entlang gehen können. Entlang dem Band werden Plastiken zu Konzentrationspunkten. Band, Plastik und Berg steigern sich gegenseitig. Ein begrenzter, in Hügel und Wellenform modellierter Terrainbereich wird die Landschaftsgegebenhelt plastisch betonen. Material: Das Band = Beton, 0 — 80 cm Höhe und 60 cm breit. Die plastischen Konzentrationspunkte, partiell farbig — Naturstein, Steinguß, Metall, Holz, bis zu 2,50 Meter hoch. Modelliertes Terrain = Erde, Gras, Stein.
Für bildhauerische Arbeitsprozesse Ist eln Arbeits- und Kommunikationsplatz konzipiert - Bauhütte -, terrassenförmig am Hang nördlich der Parkplätze.

Die Absicht
Der Berg ist gut, so wie er ist. Er soll bleiben, was er ist: ein Berg in Berlin, zum Spazierengehen, zum Picknicken, zum Segelflugzeuge- und Drachensteigen- Lassen, zum Ausruhen, zum Träumen und Wandern mit den Augen. Man kann auf dem Band sitzen oder ihm folgen, man wird auf einige Plastiken treffen und kann sich mit ihnen und ihren Bezügen zur Umgebung beschäftigen. Aber man wird sie nicht immer sehen müssen — und das ist auch gut. Nicht monumentale Selbstdarstellung ist das Ziel, sondern sinnliche Erfahrung und Verfügbarkeit für alle. Mit dem Formenangebot kann vielfach umgegangen werden: ansehen, um-, durch-, unterlaufen, beklettern, besitzen. Der akzentuierte Raum bleibt offen zur Aneignung durch den Benutzer. Man wird frei bleiben einer künstlerischen Auseinandersetzung mit einer landschaftlichen Gegebenheit zu folgen, aber man wird nicht von ihr verfolgt.

Absichten anderer
Der Berg wird von vielen begehrt. Offizielle Wettbewerbsergebnisse liegen inzwischen vor. Sie zielen im Wesentlichen auf ein mehr oder weniger stark vorgeplantes Freizeitverhalten, mit dem eine Kommerzialisierung des Geländes als Folge verbunden ist. Frage: Muß es noch eine Bobbahn sein? Müssen es weitere Trimm-Dich-Strecken, sein? Geht es nicht auch ohne Gastronomie- betriebe und Sight-Seeing? Ohne Minibahn und Schwebebahn? Ein Stück freier Freizeit wird dann wieder verplante Freizeit — gegen Gebühren.