Geschichte | Führungen | Foto & Film | Presse & Buch | Denkmal | Bergpartnerschaft | Impressum  

Projekte zur Landschaftsumgestaltung Teufelsberg

Studenten der Universität Hannover haben sich für ihre Facharbeit im Sommersemester 2012 Gedanken darüber gemacht, wie sich der Teufelsberg mit seiner Bebauung umweltverträglich umgestalten ließe. Ein paar Projekte möchten wir an dieser Stelle vorstellen...

Projekte von: Alexander Spiesecke; Sabrina Werner; Christina Semke; Anna Ziegler; Ingrid Herberth; Timo Fritz und André Hunger

PROJEKT ZEITBLICK /Timo Fritz und André Hunger



Das Konzept "Zeitblick" für den Berliner Teufelsberg sieht vor, die Geschichte des Teufelsberges durch eine neue Gestaltung  in Zukunft für alle erfahrbar zu machen. Das Grundanliegen des Entwurfs ist es, das komplette Gelände für alle Nutzer zu öffnen und eine sukzessive Wiederbewaldung zuzulassen. Dieser Entwurf soll gewährleisten, dass der Teufelsberg als wichtiges Naherholungs- und Ausflugsgebiet für Berlin und das Umland erhalten, und darüber hinaus, gestärkt wird. In der Gestaltung wird auf jede bisher relevante Zeitepoche der Entstehungsgeschichte des Trümmerberges Bezug genommen. Beginnend mit dem ursprünglichen Waldgebiet im Grunewald, welches durch die Unterzeichnung des Dauerwaldvertrags 1915 für die folgenden Generationen als Waldgebiet erhalten werden sollte. Schon damals wurden die Qualitäten und vor allem auch die Wichtigkeit des Grunewaldes als Naherholungsort für die städtische Bevölkerung erkannt. Der Entwurf "Zeitblick" nimmt insofern auf diese Ausgangssituation Bezug, indem er das Gelände des Teufelsberges, inklusive der Abhörstation, für die Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich macht. Die sukzessive Wiederbewaldung des Areals der Abhörstation (abgesehen von wenigen freizuhaltenden Blickachsen) verdeutlicht den Bezug zu der einstigen Waldfläche, symbolisiert aber gleichzeitig auch das "Vergehende", also die Geschichte an sich. Die Grundidee des Dauerwaldvertrags wurde 1937 mit Beginn des Baus der Wehrtechnischen Fakultät gebrochen, da inmitten des Grunewaldes eine großräumige Fläche in Bauland umgewandelt wurde. Dies stellt die zweite wesentliche, und für den Teufelsberg wahrscheinlich am grundlegendste Epoche dar. Die Wehrtechnische Fakultät wurde aufgrund der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs nicht fertiggestellt und bildete dann, nach Ende des Krieges, den Ausgangspunkt für die Ablagerungen von Trümmerschutt. Somit kann das Fundament als Ursprung des Berges gesehen werden. Der Entwurf sieht an dem damaligen Standort eine große, auf dem Grundriss der Fakultät basierende  Lichtung vor. Ein Aussichtsrundweg, der über der Lichtung installiert wird und waagerecht vom Hang über die Lichtung führt, orientiert sich nicht nur an der Form der Wehrtechnischen, sondern stellt den Besucher zusätzlich auf eine Probe. Wie sehr will man sich mit der Geschichte auseinandersetzen, was traut man sich zu, wie weit würde man gehen? Zudem werden durch das Abschreiten, entweder der Lichtung oder aber des Aussichtsrundweges, die Ausmaße des einst geplanten Wahnsinns deutlich. Ab 1950 wurde damit begonnen, Trümmerschutt aus den zerstörten Berliner Stadträumen in dem Gebiet der nicht fertiggestellten Wehrtechnischen Fakultät abzulagern. Die Ausweisung des Gebiets als zentraler Restschuttlagerplatz war der Beginn der Entstehung des Teufelsberges. Der Entwurf sieht in Bezug auf diese Zeitepoche vor, dass die nicht erhaltenswerten Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Abhörstation abgerissen, und als neue Trümmerlandschaft inszeniert werden (ausgewählte Gebäude und Relikte bleiben erhalten). Diese neue, markante Trümmerlandschaft, ermöglicht nicht nur die sukzessive Wiederbegrünung, sondern weist sowohl auf die Geschichte des Kalten Krieges hin (entstanden aus dem Abriss der Abhörstation), als auch auf die Geschichte des Berges an sich, da dieser aus Trümmern erwachsen ist. Die inszenierte Trümmerlandschaft soll als Überspitzung des Themas "Trümmerberg" verstanden werden. Die Ausformung der Trümmerberge orientiert sich an dem Standort des jeweiligen abgerissenen Gebäudes und wird von fragmentartig erhaltenen Seitenwänden der Gebäude teilweise begrenzt.
Die Aufschüttungen des Trümmerberges nahmen im Laufe der Zeit nicht vorausgesehene Ausmaße an, so dass die ursprünglich festgelegte Höhe schon bald auf die heutigen 115m erhöht werden musste. Die amerikanische Schutzmacht entdeckte schon bald die Vorzüge dieser im Grunewald entstehenden Erhöhung, und begann, das oberste Bergplateau für sich zu beanspruchen und dort wichtige Radareinrichtungen und militärische Zweckbauten zu errichten. Bereits ab 1963 entstanden die ersten Gebäude, u.a. der erste Search-Tower. Dies war der Auftakt für eine jahrzehntelange bauliche Entwicklung auf dem Teufelsberg durch die US-Amerikaner und Briten, in der die sogenannte "Field Station", ein für die West-Alliierten strategischer Punkt mit größter Wichtigkeit, entstand. Der Entwurf "Zeitblick" bezieht sich auf diesen prägenden Zeitabschnitt, indem die mittlerweile maroden, nicht erhaltungswürdigen baulichen Anlagen, in eine begehbare Trümmerlandschaft transformiert werden, und zugleich aber markante Relikte und ausgewählte architektonische Zeugnisse der Zeit neu inszeniert werden (Search-Tower, Hauptradargebäude, Jambalaya-Tower, Aktenvernichtungsanlage). Desweiteren bleiben die vorhandenen Wegestrukturen auf dem Bergplateau weitestgehend erhalten und verbinden die erinnernden Relikte miteinander, so dass sie für die Besucher zu erschließen sind.
Auch auf die jüngere Vergangenheit der baulichen Geschichte wird in dem Entwurf eingegangen. Hierfür wird das Fundament des 1998 begonnenen, aber nicht fertiggestellten Panorama-Tower als weiteres Relikt der Teufelsberggeschichte inszeniert.
Sogenannte "Zeitfenster" werden auf dem Bergplateau installiert und bilden das verbindende Element aller Gestaltungsmittel und stellt zwischen ihnen einen Zusammenhang her. Zu dem bringt es die Wahrnehmung der Relikte in chronologische Reihenfolge und lässt diese als Verdeutlichung der Entstehungsgeschichte des Teufelsberges wahrnehmen. Insgesamt vier Zeitfenster werden in das Gelände integriert und beziehen sich auf die Relikte der Epochen der Wehrtechnischen Fakultät (Lichtung und Aussichtsrundgang), der Abhörstation (Search-Tower als erstes  und Jambalaya-Tower als letztes gebaute Gebäude), sowie auf die geplante, aber nicht realisierte Neugestaltung ab 1996 (Fundament des Panorama-Towers). Der Abstand der einzelnen Zeitfenster wurde in Abhängigkeit zu der Anzahl der Jahre, welche zwischen den dargestellten Ereignissen liegen, gebracht, so dass z.B. zwischen dem Zeitfenster der Wehrtechnischen Fakultät (1937) und dem des Beginns der Abhörstation (1963) 260m (da 26 Jahre) liegen. Die Zeitfenster ergeben sich aus zusammenpassenden Fragmenten, welche sich nur von einem Standort, einem sogenannten "Zeitpunkt" aus, zu einem Fensterrahmen zusammenfügen.
Insgesamt sieht der Entwurf vor, das Areal des Teufelsberges in drei unterschiedlich stark bearbeitete Planungsbereiche einzuteilen. Der Planungsbereich A der Abhörstation, ist der am intensivsten bearbeitete Bereich. Hier wird das Gelände größtenteils durch die Entstehung der neuen Trümmerlandschaft transformiert. Der Drachenberg ist als Planungsbereich C so gut wie gar nicht von einer Umgestaltung betroffen, da dieser sich als funktionierender Naherholungsort entwickelt hat und große Akzeptanz bei der städtischen Bevölkerung besitzt. Damit jedoch der Teufelsberg im Gesamten als Einheit besser wahrzunehmen ist, sieht der Entwurf einen Reliktpfad, welcher alle drei Planungsbereiche miteinander verbindet und auf die geschichtlichen Relikte des Berges hinweist, vor. Dieser wird durch einen zurückhaltenden Ausbau neu gestaltet, so dass dieser zwar als Hauptweg zu erkennen ist, sich aber dezent und passend in die bestehende Umgebung einfügt.

weitere Infos zum Projekt ZEITBLICK: Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4


Projekt GELÄNDESPIONAGE // von Christina Semke und Anna Ziegler


Konzept: In unserem Konzept legen wir Wert darauf, dass die geschichtliche Entwicklung des Teufelsberges und ihre Bedeutung herausgearbeitet werden. Dabei möchten wir uns in unserem Konzept damit auseinander setzen, dass jede Schicht eine angemessene Bedeutung beigemessen wird.
Der Fokus soll nicht nur auf einer einzigen geschichtlichen Entwicklung liegen, so dass andere Entwicklungen damit überlagert oder womöglich in Vergessenheit geraten. Dadurch sind im Folgenden vier unterschiedliche Unterteilungen entstanden. Zum einen eine Gleditschienlichtung, Trümmerwege, der vorhandene „verbergende Wald“ sowie der Bereich rund um die Abhörstation.

Gleditschienlichtung: Eine Lichtung soll als erinnerndes Mahnmal an die NS-Diktaktur auf der Grundfläche der ehemaligen Wehrtechnischen Fakultät geschaffen werden. Anstelle eines von Albert Speer gebauten, und von Hitler gewünschten, monumentalen Prachtbauwerks soll eine offene Wiesenfläche inmitten des sonst bewaldeten Gebietes entstehen.
Die Lichtung soll durch Gleditschien abgegrenzt werden, welche direkt über den Grundmauern des ehemaligen Militärgebäudes gepflanzt werden. Das Besondere an der Gleditschie ist der dornenbewehrte Stamm mit großen Büscheln starker, verzweigter Dornen, die bis 30 cm lang sind. Insgesamt erreicht der Baum eine Höhe von bis zu 20 Metern. Damit wird eines der prägendsten Kapitel des Teufelsberges markiert. Die Lichtung ist durch ihre Auffälligkeit im Gelände ein Anziehungspunkt und gleichzeitig durch ihre Dornen abschreckend.

Schuttwege: Die Trümmerwege sollen an die Entstehung des aufgeschütteten Berges erinnern. Verwendet werden sollen dabei die Trümmer der abgerissenen Gebäude der Abhörstation. Wichtig ist dabei, dass die Wege eine unterschiedliche Körnung aufweisen, je nach dem wo man sich gerade im Gebiet aufhält. Die Wege sollen gezielt auch unbequem sein, da das Gelände auch wechselhafte Entstehungsgeschichte aufweist.

Mischwald: Die Qualität dieses Waldes ist, dass im städtischen Raum Berlins ein attraktiver Rückzugsraum für Naherholungssuchende ist. Eine weitere Qualität ist das angenehme Klima, welches erhalten werden soll. Das Spiel aus Licht und Schatten durch dicht bewachsene und lichtere Bereiche im Teufelsberg machen den Berg für Besucher ansprechend. Durch die stetige Nutzung des Berges und die Witterung sind bereits jetzt Trümmerstellen des Berges aufgedeckt, welche dem verbergen Wald einen besonderen Charakter verleihen. Die Natur und die Nutzer decken die Spuren der Vergangenheit von alleine auf und es entsteht ein natürlicher Wandelprozess.

Spionage: Der Bereich der Abhörstation liegt auf der Spitze des Teufelsberges. Dort soll den Besuchern der Handy- und Internetempfang teilweise entzogen bzw. mindestens deutlich vermindert werden. Der eigene Kontakt zur Außenwelt soll deutlich erschwert werden, während gleichzeitig abgehörte Informationen vom gegenüberliegenden Drachenberg, im Radarturm empfangen werden können. Es kann visuell verfolgt werden welche Internetseiten die Drachenbergbesucher aufsuchen, jedoch können die Betrachter diese gewonnen Informationen nur unter erschwerten Bedingungen in die Außenwelt tragen. Somit wird zunächst dass von der Außenwelt abgeschlossene Arbeiten und das erlangen von geheimen Informationen der NSA erlebt.

Umgang mit dem Radarturm: Der sich im Verfall befindliche Radarturm soll als Gebäude erhalten werden. Um das Gebäude wieder in Wert zu setzen und dem geschichtlichen reflektierten Umgang gerecht zu werden, soll der vier stöckige Aufgang mit Glas verkleidet werden. Dies stellt eine Transparenz nach außen dar, welche während des Betriebes der Abhörstation explizit vermieden wurde. Der derzeit defekte Aufzugschacht soll dabei erneuert werden. Die Kuppel, als markante Form, soll von weiten gut sichtbar sein und in ihrer Gestalt erhalten werden. Das verwendete weiße Material, welches der Abhörstation einen hohen Wiedererkennungswert gibt, soll weiterverwendet werden. So bleibt, dass charakteristische Bild der Abhörstation nach außen hin erhalten, obwohl dessen Funktion sich umgekehrt hat. Zwar ist die Kuppel weiterhin durch das verminderte Empfang Signals von der Außenwelt abgeschirmt, jedoch können anders als früher, keine Information mittels Satellit empfangen oder versendet werden. Die Menschen die sich in der Kuppel befinden sind nun von der Außenwelt isoliert.

Abschirmung des Turmes: Wie oben angedeutet soll, basierend auf einen kritischen Umgang mit der Geschichte, die Funktion des Ortes teilweise erhalten und neu interpretiert werden. Vom ehemals Spionierenden wird nun der Besucher selbst zum ausspionierten. Vom inkognito Status des Aufklärungs- und Sicherheitsdienstes der Amerikaner und Briten nun zum völlig isolierten, von der Außenwelt abgeschirmten, Besucher. Es ist einerseits der reflektierte Umgang mit dem was vorher auf dem Gelände stattgefunden hat, zugleich ist es aber auch eine Auseinandersetzung mit der heutigen gesellschaftlichen Entwicklung. Der einzige statt findende Informationsaustausch basiert auf einer Internetleitung, welche gewonnene Informationen vom gegenüberliegenden Drachenberg anonymisiert auf die Kuppelinnenseite projiziert. Ziel ist es die heutige Mobilität zu unterbinden, so dass ein Notruf beispielsweise möglich ist, jedoch das hoch oder runterladen von Bildern sowie das Versenden von Nachrichten durch mobile Endgeräte deutlich erschwert wird.
Mittels einer passiven Abschirmungsmethode soll der ehemalige Radarturm einerseits vor Informationen von außerhalb abgeschirmt werden, andererseits soll gleichzeitig das Versenden von Informationen, wie beispielsweise durch telefonieren oder hochladen von Daten durch internetfähige Mobilfunkgeräte, deutlich erschwert werden. Erreicht werden soll dies beispielsweise durch spezielles Glas, wie es in Zügen der Deutschen Bahn verwendet wird. Es soll eine Situation entstehen, die dem Nutzer das Gefühl vermittelt sich in einem Funkloch zu befinden.
Die Verwendung von abschirmenden Materialien wie dem oben genannten Glas, wird als eine passive Methode der Einsatz von Störsender zu verzichten. Ein Störsender wäre zum einen eine sehr kostenintensive Investition, zum anderen müsste der Sender eine hohe Reichweite und Leistungsstärke aufweisen. Die Strahlungsintensität wäre sehr stark und hätte ebenfalls einen hohen Energieverbrauch zur Folge. Die passive Methode hingegen erzeugt keine zusätzliche Strahlung und ist nicht visuell wahrnehmbar. Weiterhin entstehen keine dauerhaften Energiekosten, sondern nur gelegentliche Wartungsarbeiten.

Visualisierung gewonnener Informationen: Die freigegebenen Daten der Nutzer werden vom Drachenberg mittels einer unterirdischen Leitung zum Gebäude der ehemaligen „Radome Unit“ geleitet. Dort werden die Daten gesammelt und statistisch aufgearbeitet.
Durch einen Beamer werden anschließend die aufgerufenen Internetseiten in der abgeschirmten Kuppel projiziert. In jedem Fenster, welcher der Beamer anzeigt, erscheint jeweils unten rechts im Bild die Anzahl der Besucher die diese Webseite aufgesucht haben. Aus Datenschutzgründen wird hierbei vermieden direkte personenbezogene Daten zu veröffentlichen.

Gewinnung von Daten: Die Daten werden ermittelt indem man ein WLAN Netz auf dem Drachenberg errichtet und ausdrücklich darauf hinweist, dass die kostenlose Nutzung des WLAN Netzes mit der nicht Personen bezogenen Projektion im Radarturm gekoppelt ist. Verwendet werden sollen dabei ausschließlich unverschlüsselte Daten. Die Daten werden dabei nur tagesweise auf einem eigenen Server gespeichert. Sie werden statistisch aufgearbeitet und die meist aufgerufenen neun Seiten werden dann aufgerufen und mittels Beamer mit dem ermittelten statistischen Wert angezeigt.

weitere Infos zum Projekt GELÄNDESPIONAGE: Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6


Projekt TEU[FELSSPALT] - Ein Schnitt ins Innere // von Alexander Spiesecke und Sabrina Werner



ANALYSE Geschichtliche Abfolge: Die Geschichte des Teufelsberges beginnt mit dem Grunewald. 1937 legte Adolf Hitler den Grundstein für die „Wehrtechnische Fakultät“ der Technischen Hochschule Berlin. Der Bau war als Auftakt seiner Umbaupläne für die Reichshauptstadt Berlin zu verstehen und sollte zum neuen Symbol für Wissen und Kultur des „Tausendjährigen Reiches“ werden. Der Bau wurde jedoch nie ganz fertig gestellt und zum Teil im Krieg zerstört. Als nach dem Krieg zahlreiche Ablageplätze für den Trümmerschutt ihre Kapazitätsgrenze erreichten, bot sich der Rohbau der Fakultät mit seinem stabilen Fundament für eine Aufschüttung an. So besteht der Teufelsberg aus grob zwei Dritteln der zerbombten Berliner Häuser und wurde damit zum höchsten Berg Berlins. Geformt und gestaltet wurde der Berg mit Sand und Mutterboden, um anschließend mit rund einer Million Bäumen bepflanzt zu werden. Zusätzlich wurde Platz geschaffen für einen Skihang, eine Rodelbahn, eine Sprungschanze und für einen Schlepplift. Statt aber zum ersehnten Naherholungsgebiet der Berliner zu werden, wurde der Berg in den 70er Jahren zum militärischen Sperrgebiet. US-amerikanische und britische Aufklärungs- und Sicherheitsdienste erkannten das große Potential des Standortes und konnten den Flug- und Funkverkehr bis etwa 600 Kilometer weit hinter dem eiserenen Vorhang abhören. Und somit thronten inmitten des Wintersportparadieses der Berliner die Radoms, während das beliebte „Alpenpanorama“ auf dem kleineren Berg nebenan genossen werden musste.

LEITGEDANKEN - Einschnitt in den archiven Raum: Der Trümmerberg ist das Resultat einer Verkettung von Ereignissen. Obwohl das Gelände sich einer hohen Besucherzahl erfreut, ist den meisten unklar, um welchen geschichtsträchtigen und zugleich synthetischen Ort es sich dabei handelt. Der dichte Wald lässt nur an einigen Stellen erahnen, auf welchem Material er steht. Die Geschichte, die er dabei im „Inneren“ trägt, ist über die Jahre zumeist in Vergessenheit geraten und macht es dem Betrachter schwer seine Entwicklung zu verstehen. 
Der Einschnitt ins Innere des Berges steht symbolisch für das „Öffnen“ des Verborgenen und kann damit dem Berg einen Erinnerungsort (zurück)geben.
Die Schlucht stellt eine „negative Skulptur“ dar, die nicht wie gewohnt von außen, sondern von innen betrachtet und erfahren werden soll.

Quellcode: Die Entstehungsgeschichte des Berges ist sein Quellcode. Wie ein Strichcode steht er als Synonym für Verschlüsselung von Daten. Die Informationen, die während des kalten Krieges auf dem Teufelsberg gesammelt worden sind, werden erst in Zukunft einsehbar sein und sind im Moment noch unter Verschluss. Mit der Überlagerung des Strichcodes soll eine Entschlüsselung des „Unleserlichen“ des Berges versinnbildlicht werden.

Alle Erinnerungen sind räumlich: Dieter Hoffmann - Axhelm hat die Behauptung formuliert,  „Alle Erinnerungen sind räumlich“.
Von der Antike bis zur heutigen Zeit ist man sich einig darüber, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Vorgang des Erinnerns und unserer räumlichen Welt, den Orten gibt. Auf dem Weg durch die Schlucht durchwandert der Betrachter zunächst die vergangene Zeit, um sich dann auf der Panoramaterrasse inmitten der Gegenwart und gleichzeitig der Zukunft zu befinden.

ENTWURF: Über den Trümmerweg gelangt der Besucher an die Schlucht, die er über 210 Stufen nach oben erklimmen kann.
Die Treppe aus cremefarbenem Beton ist optisch zurückhaltend, besitzt dennoch eine materielle Eigenständigkeit und ist etwas grobkörniger und rauer gedacht. Eine günstige Alternative wäre die Wiederverwertung des Trümmermaterials aus dem Aushub, das sortiert und zerkleinert als Material für den Betonweg recycelt wird. Der Strichcode an den Wänden der Schlucht ist aus Stahl und stellt einen schönen Kontrast zu dem hellen Beton her und entwickelt über die Zeit eine interessante Patina in rostroten bis erdigen Tönen. Neben der identitätgebenden Funktion stützt er die umgebenen Wände über eine Verbindung mit Injektionsankern ab.  Zwischen den Stahlstreifen befindet sich dickes Panzerglas, das den Einblick in die Erd – und Trümmerschichten erlaubt. Für eine kleinere Pause sind in der Schlucht schlichte Betonbänke in der Wand integriert. Wer möchte, kann den Berg auch neben der Schlucht bis zur Abhörstation erklimmen und dabei immer wieder über die Brüstung einen Blick in das Innere werfen. In der Betonschicht sind grüne Lichtlinien eingesetzt, die am Abend oder in der Nacht den Rhythmus des Strichcodes wiedergeben. Die kleine Rinne kann problemlos betreten werden und stellt keine Stolpergefahr dar.  Bei Regen, Nebel oder aufgewirbelten Staub ist der Lichtstrahl stärker wahrnehmbar.

Informationskanal: Informationen lassen sich über sogenannte „Dead Drops“ erhalten. Das sind USB-Datenträger, die fest integriert die Möglichkeit des Datenaustausches geben. Mit einem Smartphone oder einen Netbook und einem USB-Anschluss lassen sich Daten tauschen, hinzufügen oder herunterladen. Diese kleinen Ports werden in der Schlucht und auf der Panoramaterrasse verteilt untergebracht und sind erst auf den zweiten Blick erkennbar. Über den Teufelsberg und seine Abhörstation gibt es viele Geschichten und Gerüchte. Fast überall ist nur von wagen Informationen die Rede und von Informanten, die über die Abhörmaßnahmen nur wenig verraten und zumeist unter falschen Namen. Die Dead Drops können eine Art Informationskanal darstellen, deren Informationen sich laufend ändern dürfen und vielleicht Dinge verraten, die bislang nicht ans Licht gekommen sind. So können Besucher aktiv an der Geschichte um den Teufelsberg teilnehmen und von Ereignissen berichten, die sie dort selbst erfahren haben.

Panoramaterrasse: Die Panoramaterrasse sitzt bewusst ein klein wenig höher als das verbliebene Abhörgebäude. Diese kleine Geste, über den vergangenen Dingen zu stehen und alles überschauen zu können, ist Ausdruck für die Gegenwart und die Zukunft des Teufelsberges, die noch unbestimmt ist. In der Brüstung der Terrasse sind die Worte „Alle Erinnerungen sind räumlich“ eingelassen, denn schon seit Jahren ist man sich einig, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Vorgang des Erinnerns und den Orten und Dingen gibt. Das Gehirn koppelt Erinnerungen an räumliche Gegebenheiten, meinen auch Neurologen.  Die zusammengesetzte Landschaft, die jeder von uns in seinem Kopf ausbildet, besteht aus einem komplexen Netz von (erinnerten) Orten. Der Teufelsberg wandelt sich damit von einem Ereignisort zu einem Erinnerungsraum. Mit der Beendigung der Ereignisse kommt es zu einer Umwidmung des Ortes, da die Erinnerungen nun den Raum markieren. Der Mensch braucht aber ein Zeichen, eine Spur, mit denen er die Ereignisse des Ortes, die Abwesenheit der Dinge entziffern kann. Oder wie Groys es ausdrückt, ein „Mechanismus des Neuen“ muss gefunden werden. Die Leere der Schlucht bezieht sich auch auf das „Nicht-Sichtbare“, das was nicht mehr vorhanden ist und der künstliche Raum wird damit zur Metapher der Abwesenheit. Der Raum kann in der Vorstellung zeitlich abgeschritten werden und die Inhalte der Vergangenheit können ins Gedächtnis gerufen werden. Oben angekommen, auf der Panoramaterrasse bekommt man gewissermaßen die Antwort auf die Frage, die man sich am Fuße der Schlucht stellt, welchen Grund dieser Bau hat. 

Trümmerweg: Ausgehend von der Teufelsseechaussee südlich des Berges führt der Trümmerweg den Besucher direkt zum Eingang der Schlucht. Optisch soll sich der Weg dabei jedoch stark von den übrigen abheben. Nicht nur die Wegedecke selbst, sondern auch der angrenzende Bereich sollen dem Weg sowohl eine eigene Identität geben als auch den Besucher auf den bevorstehenden Teufelsspalt einstimmen.
Das von dem dortigen Aushub stammende Schuttmaterial flankiert dabei den Weg in unregelmäßigen Abständen mit kleineren Anhäufungen, die dabei jedoch nicht losgelöst von dem Weg zu betrachten sind, sondern sich in Ausläufern mit der Wegedecke selbst verbinden. Damit soll versucht werden, dem Besucher langsam einen Eindruck zu vermitteln, was ihn im Kommenden erwarten wird. Für den Belag des Weges stellt zum einen der gleiche cremefarbene Beton eine Möglichkeit dar, der auch in der Schlucht verwendet wird. Dies würde dem Besucher einen gewissen Wiedererkennungswert bieten. Zum anderen ist es aber ebenso gut denkbar, den zerkleinerten Schutt aus dem Aushub für die Wegedecke wiederzuverwenden und zu recyceln.

weitere Infos zum Projekt TEU[FELSSPALT]: Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Projekt SPYGAME // von Ingrid Herberth




Konzept: Das Entwurfskonzept für den Teufelsberg Berlin stützt sich auf die Geschichte des Berges, in der Hitlers wehrtechnische Fakultät den Anfang und die zivile Abhörstation der Amerikaner das zwischenzeitliche Ende markieren. Der Fokus wurde dabei auf die Zeit des Kalten Krieges und damit auf die aktive Zeit der Abhörstation gesetzt. Im Mittelpunkt des Entwurfes liegt die Erinnerung an die Spionage. Dieses übergeordnete Konzeptthemasoll den Besucher während seines ganzen Aufenthaltes einnehmen. Auf dem Bergplateau sollen die Besucher dann eine mehrteilige „Spionage-Landschaft“ erfahren, in der mit dem Gefühl der Überwachung, Unsicherheit und der Informationsgewinnung gespielt wird. Der Entwurf beschränkt sich auf den Bereich der Field Station und ist innerhalb des Konzeptthemas in vier Bereiche gegliedert. Drei der Bereiche haben ihren Hauptfokus auf dem Oberthema der Spionage, der Vierte geht erinnernd auf die Historie ein. Drei der Bereiche haben ihren Hauptfokus auf dem Oberthema der Spionage, der Vierte geht erinnernd auf die Historie ein.

Umsetzung: Durch die verschiedenen Spionage-Elemente als Hauptkonzept soll der Berg thematisch eine Erlebnis-Linie bekommen, die dem Besucher spielerisch die Geschichte und die Geschehen während des Kalten Krieges näherbringt. Dabei wird klar auf den Aspekt der Spionage gesetzt und kontinuierlich mit der Erzeugung von Gefühlen und Situationen gespielt, die die Spionage kennzeichnet. Der Teufelsberg sollte so nicht zu einem einfache Museum oder Ausstellungsplatz werden, sondern zu einem Ort, wo Geschichte zum Erlebnis wird.

„Auskundschaften“ im Irrgarten: Der erste Bereich befindet sich im unteren Geschoss der entkernten Gebäude der Central und British Units. Hier soll unter dem Thema „Auskundschaften“ eine Form des Irrgartens entstehen, der den Besucher mit der Ungewissheit locken sollt, die hinter der nächsten Wand steckt. Wie die Spione im Kalten Krieg, soll auch der Besucher dazu angehalten werden, das Gebiet „auszukundschaften“ und diese geheimnisvolle Atmosphäre erfahren. Der Weg ist hier eine Art der Informationskette, bei der um die Ecke gedacht werden muss oder die auch in einer Sackgasse enden kann. Wie auch für die US Spione der Aufbau der Gebäude ungewiss war, so tappt auch der Besucher zunächst im Dunkeln und muss sich seinen Weg durch den Irrgarten selbst erarbeiten. vDie Außenwände der Konstruktion sind aus massivem Beton, so, dass keine Informationen nach Außen gelangen können. Befindet man sich im Irrgarten, so sind die Wände aus transluzentem Beton gefertigt. Dies ermöglicht das diffuse Durchdringen von Licht und fremden Umrissen, birgt aber gleichzeitig das geheime Unbekannte, da nicht genau erkennbar ist wer oder was sich wie weit von der Wand befindet.

„Überwachen“ auf dem Brückennetz: Über dem Irrgarten befindet sich ein Netz aus Wegeverbindungen, das symbolisch alle für die Spionage relevanten Gebäude miteinander verbindet. Von diesen schwebenden Brücken aus ermöglicht das Thema „Überwachen“ den Besuchern das Beobachten und den vollen Einblick in die Situation unter sich – Informationen werden hier im übertragenen Sinne freigelegt. Die Brücken befinden sich in verschiedenen Höhen und Richtungen. Hierdurch werden die verschiedenen Ebenen der Spionage dargestellt und auch auf die Rangunterschiede innerhalb der Spionageeinheiten angespielt. Angelegt sind die Brückenverbindungen nach dem Vorbild der Radome, die aus drei- bis sechseckigen Elementen gefertigt sind. Wie eine Abhörglocke spannt sich dieses „Spionagenetz“ über den Irrgarten und ist, wie auch die Kuppeln, der Ort an dem die Informationen ankommen und gesammelt werden.

„Erspähen“ im Radome Unit: Als drittes Spionage-Element steht das ehemalige Radome Unit. Unter dem Aspekt „Erspähen“ wurden Gebäude und Tower in gefrostetes Glas gehüllt. Durch die milchigen Oberflächen wird nur eine bedingte Durchsichtigkeit ermöglicht, so, dass Informationen nur diffus oder gar nicht zwischen dem Radome Unit und der Umgebung ausgetauscht werden können. Angespielt wird hier auf den ebenfalls undurchsichtigen Informationsfluss zwischen den verschiedenen Units und die Geheimhaltung innerhalb der Teams.

„Entdecken“ und Erinnern im Wald: Zur Erinnerung an die Wehrtechnische Fakultät werden ihre Position und ein symbolisch vereinfachter Grundriss an die Oberfläche geholt und als abstrahiertes Bild dargestellt. Eine terrassierte und begehbare Fläche wurde im Gefälle des Berges eingebaut. Historischer Bauschutt aus dem Berginneren markiert hier das Areal unter dem sich der zerstörte Rohbau befindet. Der Bereich soll nicht durch besondere Kennzeichnung oder Bepflanzung herausgehoben werden, sondern liegt zwischen der erhaltenen Bepflanzung und den Gehölzen des Waldes. Durch die etwas „versteckte“ Lage muss dieser Ort erst entdeckt werden und fügt sich so dezent in die thematisch übergeordnete Spionage-Landschaft ein, ohne dabei als Fremdkörper zu wirken.

weitere Infos zum Projekt SPYGAME: Seite 1